Schreibpraxis: Konfliktkarte


„Wo geht’s weiter in der Story?“ Eine Frage, die mir in der vergangenen Woche gehörig Kopfzerbrechen bereitet hat. Ich habe ein recht detailliertes Exposé, in dem ich abgearbeitete Elemente ausgraue, um offene Punkte auf einen Blick erkennen zu können. Das Exposé forderte Szenen, auf die ich mich schon freute, aber irgendwie klaffte da eine Lücke, die ich nicht schließen konnte. Es kostete mich einiges an Schweiß und Nachdenken – immerhin keine Tränen – im Fitnessstudio und beim Laufen auf den Lesum-Deichen, bis ich erkannte, dass meine Protagonisten noch nicht bereit waren, dass sie noch nicht alles wussten, um wie gewünscht agieren zu können.

Während ich also mit dem Weiterkommen kämpfte, bearbeitete und erweiterte ich den bestehenden Text. Man will ja nicht stillstehen. Außerdem gibt es genug am Manuskript zu tun. Beschreibungen müssen vervollständigt werden, Gedankengänge müssen ausführlicher und verständlicher dargestellt und (falsche) Spuren gelegt werden. Die Frage blieb: Wie bringe ich die Story voran?

Zur Lösung meines Dilemmas griff ich auf Grundlagen meiner wissenschaftlichen Ausbildung zurück. Um etwas neues zu erfinden, muss man den State-of-the-Art kennen. Übertragen auf meinen Roman hieß das schlicht, festzustellen, was der aktuelle Zustand meines Universums war, um, davon ausgehend, weiter auf das Ziel, also den Showdown und die Auflösung aller Konflikte, hinarbeiten zu können. Natürlich wusste ich, wo die einzelnen Erzählstränge angekommen waren, aber ich brauchte einen Überblick.  Die Fragen, die ich mir stellte, waren daher simpel:

  1. Was fühlen meine Protagonisten gerade? Was ist ihr aktueller Kenntnisstand?
  2. Welche Konflikte bestehen zwischen den Protagonisten? Welches Wissen müssen sie austauschen?

Das sind typische Fragestellungen aus dem Bereich der Multiagentensysteme und der Aktionsplanung. Die Antworten helfen dem Agenten, die nächste Aktion auszuwählen. Was für den (einigermaßen dämlichen) Agenten funktioniert, sollte dem (vermutlich etwas intelligenteren) Autor auch helfen, nicht wahr? Um es kurz zu machen: Ja, es war hilfreich.

Den Zustand meines Universums illustrierte ich mit Hilfe einer kleinen Landkarte (siehe oben). Protagonisten wurden darin zu Ländern. Jedes Land bekam eine kurze Beschreibung der Highlights (Antworten auf obige Frage 1). In diesem simplifizierten System stehen nur benachbarte Länder im Konflikt. Die Konflikte (Antworten auf obige Frage 2) ließen sich nun leicht an den Grenzen skizzieren. Et voilà. Weiter geht’s mit der Story.

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