„Gänsehaut“, „mega-spannend“

Unser neuer Roman ist seit ein paar Tagen erhältlich, und bei uns steigt die Spannung, was unsere Leser von Paula Tennants erstem Abenteuer halten. Hier erste Kommentare:

„Der Gänsehaut-Faktor war da.“

„»Die Tränen der Kinder« [ist] ein mega-spannender Thriller mit einem kräftigen Schuss Mystery und ein paar Dan-Brown-mäßigen Lektionen in christlicher Mythologie.“

Klappentext

Spannender Thriller-Auftakt um die »International Security Agency – ISA« und ihre Agentin Paula Tennant, deren Einsatz stets dort gefragt ist, wo es um unerklärliche und besonders brutale Verbrechen geht.

Ein Grab mit einem dunklen Geheimnis. Ein heiliger Wald voller Zeichen und Rätsel. Und ein Killer, dem nichts heilig ist.

Nach einem Erdbeben nördlich von Rom gibt der »Sacro Bosco« ein grauenhaftes Geheimnis preis. In einem Massengrab werden die Überreste enthaupteter Frauen entdeckt, die zum Zeitpunkt ihrer Hinrichtung Föten in sich trugen. Kardinal Calitri, der den heiligen Wald vor kurzem erwarb, ist entsetzt. Erste Untersuchungen ergeben, dass die Skelette Jahrhunderte alt sind, doch dann werden jüngere Frauenleichname entdeckt, und eine davon stammt aus dem letzten Winter.

Nach einer gescheiterten Karriere beim FBI wird Agent Paula Tennant von der ISA rekrutiert. Als einer ihrer obersten Bosse sie auf die Sacro-Bosco-Morde ansetzt, an dem sich die italienischen Behörden die Zähne ausbeißen, wittert sie ihre Chance. Undercover beginnt sie zu ermitteln, und stößt dabei immer wieder auf das Zeichen einer stilisierten Lilie – und auf eine alte Schrift aus den Vatikanarchiven, in der von einem alten Menschheitstraum und einem diabolischen Bund die Rede ist.

 

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Schreibpraxis: Von der Idee zur Story

Kürzlich fragte mich jemand, wie ich denn zu meinen Storys komme. Ob ich denn erst Grundthemen hätte und daraus eine Geschichte entwickeln würde oder umgekehrt. Über die Antwort musste ich doch einen Moment lang nachdenken, und sie lautet wohl: Weder noch.

Meine Storyentwicklung ist figurenzentriert. In meinem Kopf tummeln sich seit Jahren Figuren verschiedenen Alters und Geschlechts, die in verschiedensten Beziehungen zueinander stehen: Freunde und Feinde, Eltern und Kinder, potentielle Pärchen. Manche sind auf der Flucht oder der Suche nach etwas usw. usf. Außerdem sind da auch interessante Locations und aufregende Abenteuer, die die Mädchen und Jungen, Frauen und Männer und verschiedenste Kreaturen erleben könnten: „An diesem Ort würde ich gerne mal eine Kampf- oder Liebesszene spielen lassen.“, „Würde sich dieser Balkon nicht anbieten, um von hier aus den korrupten Politiker abzuhören?“, „Hier sollte ein Riss im Zeit-Raum-Kontinuum stattfinden, durch den die Y-Zecken in unser Universum eindringen.“

Wie alle Ideen in meinem Kopf, sind sie zunächst unausgearbeitet und bruchstückhaft. Es sind halt Ideen. Wie jeder Koch weiß, kann man eine Menge Zutaten in der Speisekammer habe, die, zusammen genommen, noch lange kein Gericht ergeben. Ich muss mich schon hinsetzen und ein Exposé schreiben, also einen Gesamtentwurf der Geschichte mit Anfang, Mittelteil und ausgearbeitetem Ende anfertigen, um aus den ‚fluffigen‘ Charakteren in meinem Hirn klar(er) gezeichnete Protagonisten und Antagonisten zu machen. Etliche der Ideen für Figuren verschmelzen dabei in konkrete neue Figuren, die dadurch viele Facetten bekommen und (hoffentlich) interessanter werden. (In den ersten Band meiner aktuellen Romantrilogie sind mindestens fünf verschiedene Romananfänge und Teilexposés eingeflossen.) Die ausformulierten Protagonisten und ihre Gegenspieler bestimmen dann, wie sich die Story entwickelt bzw. überhaupt entwickeln kann. Das Grundthema der Geschichte – von manchen auch Prämisse genannt – ergibt sich, mehr oder weniger deutlich formuliert, bei der Entwicklung des Exposés und hilft mir, die zu erzählende Geschichte zu verstärken.

Im Schreiben eines Exposés steckt für mich der Schlüssel für die Beurteilung der Tragfähigkeit einer Storyidee. Ein Exposé muss dafür nicht einmal besonders brilliant formuliert sein (auch wenn das natürlich hilft). Ein niedergeschriebenes Exposé gibt insbesondere anderen die Möglichkeit, sich eigene Gedanken zu machen und zu kritisieren und kommentieren. Die innere (Un)Logik kommt dann schnell zum Vorschein. Denn jeder kennt das: Was einem im Traum wunderbar logisch erschien, macht, bei hellem Tageslicht betrachtet, oftmals keinen Sinn. Das Exposé ist für mich letztendlich ein Anker, mit dem ich meine Figuren an der Story und der Prämisse befestigen kann, und umgekehrt. Es ist der Rahmen, in dem ich mit den Bestandteilen spielen kann und sehe, ob sie und wie sie zusammenpassen und wie sie miteinander interagieren.

Nach dem Roman ist vor dem Roman!

Meinem langen Schweigen könnte man entnehmen, dass die Beta-Phase für den ersten Roman der neuen Nephilim-Hunter-Reihe schlecht gelaufen ist. Dem ist aber ganz und gar nicht so. Der Tenor von den Testlesern und meiner Koautorin hätte kaum besser sein können. Die Abarbeitung der laaaaangen Liste von Fragen, Kritikpunkten und Verbesserungsvorschlägen brauchte jedoch ein Weilchen.

Da Alex und ich jetzt Romane parallel schreiben, waren die letzten Wochen auch mit einer Menge anderer Arbeiten gespickt. Unter anderem waren wir mit der Fertigstellung von unserem ersten Paula-Tennant-Roman, Die Tränen der Kinder, beschäftigt. Endkorrektorat, Klappentext, Autorenvita, Danksagung und Nachwort erforderten noch einmal unsere volle Konzentration. Am 9. Januar ist es dann endlich soweit!

Auch der Titel des zweiten Paula-Tennant-Abenteuers steht übrigens schon. Unser Arbeitstitel existierte dummerweise bereits, und so mussten wir diese Woche noch schnell nach einem neuen suchen, damit der Verlag auch für die Fortsetzung werben kann. Wir verraten ihn, sobald wir es dürfen.

Last, but not least: Wir arbeiten an einer neuen Website, die kurz vor dem Erscheinen unseres neuen Romans online gehen soll.

Und jetzt geht’s zurück an meinen zweiten Roman: Mind Rot.

Beta-Phase

NH1-post production

Die Verkostung des „Puddings“ führte zu intensiver Überarbeitung. Nun ist es an der Zeit, dass Nephilim Hunter 1 – David an unsere Testleser geht, die uns nun schon seit mehr als einem Jahrzehnt mit ihrer konstruktiven Kritik begleiten. Sie wissen, was zu tun ist. Dennoch stellte ich mir die Frage: „Was erwartest du eigentlich von Deinen Testlesern?“

Im Englischen wird ein Testleser beta reader genannt. Der Begriff hat sich auch im Deutschen eingebürgert, mit vielen Parallelen zum Beta-Test (Feldtest) in der Informatik. Beide Begriffe beziehen sich auf praktisch fertige Produkte, die intensiv von erfahrenen Benutzern bzw. Lesern unter „Feldbedingungen“ getestet werden. Dazu gehört sicherlich die Beantwortung von grundsätzlichen Fragen der Konsistenz in der Begrifflichkeit, der Logik und der strukturellen Transparenz.

Natürlich wünsche ich mir zunächst einmal, dass ich meine Testleser nicht enttäusche und dass sie Spaß daran haben, in die Geschichte einzutauchen und mit den Figuren mitzufiebern. Ich möchte gerne erfahren, wo mir etwas besonders gelungen ist. War dies oder jenes eine clevere Idee oder gelungene Wendung? Habe ich einen Schauplatz besonders bildhaft beschrieben? Kommt die Chemie zwischen den Protagonisten gut rüber?

Nach monatelanger Arbeit am Roman brauche ich positives Feedback. Und dabei gilt: Je spezifischer, desto besser.

Viel wichtiger ist es allerdings, die eigene Betriebsblindheit zu überwinden. Testleser sollen intensiv mitdenken und tief bohren. Und wenn es weh tut, dann noch ein bisschen tiefer bitte.

Wo knirscht es im Getriebe? Habe ich an einer Stelle vergessen, etwas Wichtiges zu erwähnen? Hätte ich etwas bereits früh andeuten müssen, damit man (besser) versteht, was gerade passiert? Habe ich mich unnötig wiederholt? Leidet das Pacing unter zu viel Beschreibung an der falschen Stelle? Langweilt eine Beschreibung und trägt nichts zur Geschichte bei? Agieren die Protagonisten so gut sie können? Schöpfen sie ihr Potential aus? Und so weiter und so fort.

Ich erwarte auf keinen Fall Korrekturvorschläge. Das Beheben der Probleme ist meine Aufgabe. Allein der Hinweis, dass ein Absatz unrund ist oder etwas an einer Stelle im Argen liegt, hilft schon enorm weiter.

Bis nun das Feedback eintrifft, setze ich mich dann mal weiter an das Exposé für den zweiten Teil der Reihe. Nach dem Roman ist vor dem Roman!

NH2-pre production

The proof is in the pudding 2, or the pudding is ready to be tasted.

Vor fünf Monaten habe ich mich mit meiner Romanidee und einem ersten Exposé auf die Reise gemacht. „The proof is in the pudding“ habe ich den entsprechenden Blogpost damals betitelt. Voller Stolz kann ich heute berichten, dass ich meinen ersten „Pudding“ gekocht habe. Nun darf meine liebe Frau und Koautorin herausfinden, ob er auch  schmeckt.

NH1-The End

Schreibpraxis: Vom Dialog zur Szene

DialogfetzenBeim Schreiben einer Szene sehe ich mehr oder weniger deutlich vor meinem geistigen Auge, wie die Personen interagieren und natürlich, was sie sagen und denken. Ich überlege mir dann, welchen Blickwinkel ich einnehmen will, um die Szene effektiv zu machen. Dialog und Prosa gehen dabei Hand in Hand. Soweit so normal.

Diese Woche jedoch ist mir etwas seltsames beim Schreiben einer Szene passiert. Bei dieser Szene fiel mir nur der Dialog ein. Ich hatte keine Ahnung, was ich um die Figuren herum beschreiben könnte. Ich muss hier erwähnen, dass die Personen neu waren und in dieser Szene eingeführt wurden. Dennoch war mir diese Art der Blockade, wenn man dies denn so nennen möchte, neu.

In kürzester Zeit schrieb ich den Dialog im Drehbuchstil herunter (siehe Abbildung). Und ich muss sagen, das hat Spaß gemacht. Nachdem ich den Dialog hatte, habe ich mich dann daran gemacht, die Regieanweisungen in Prosa umzuwandeln und den Text zu einer vollständigen Szene auszubauen.

Ich werde diese Vorgehensweise, also zunächst den Dialog zu entwickeln und dann die ‚Lücken‘ zu füllen, bald wiederholen. Vielleicht hilft das über Hürden hinweg, wenn ich noch nicht weiß, wo eine Szene spielen soll oder aus wessen Blickwinkel ich die Szene erzählen will. Stay tuned!

Schreibpraxis: Konfliktkarte

„Wo geht’s weiter in der Story?“ Eine Frage, die mir in der vergangenen Woche gehörig Kopfzerbrechen bereitet hat. Ich habe ein recht detailliertes Exposé, in dem ich abgearbeitete Elemente ausgraue, um offene Punkte auf einen Blick erkennen zu können. Das Exposé forderte Szenen, auf die ich mich schon freute, aber irgendwie klaffte da eine Lücke, die ich nicht schließen konnte. Es kostete mich einiges an Schweiß und Nachdenken – immerhin keine Tränen – im Fitnessstudio und beim Laufen auf den Lesum-Deichen, bis ich erkannte, dass meine Protagonisten noch nicht bereit waren, dass sie noch nicht alles wussten, um wie gewünscht agieren zu können.

Während ich also mit dem Weiterkommen kämpfte, bearbeitete und erweiterte ich den bestehenden Text. Man will ja nicht stillstehen. Außerdem gibt es genug am Manuskript zu tun. Beschreibungen müssen vervollständigt werden, Gedankengänge müssen ausführlicher und verständlicher dargestellt und (falsche) Spuren gelegt werden. Die Frage blieb: Wie bringe ich die Story voran?

Zur Lösung meines Dilemmas griff ich auf Grundlagen meiner wissenschaftlichen Ausbildung zurück. Um etwas neues zu erfinden, muss man den State-of-the-Art kennen. Übertragen auf meinen Roman hieß das schlicht, festzustellen, was der aktuelle Zustand meines Universums war, um, davon ausgehend, weiter auf das Ziel, also den Showdown und die Auflösung aller Konflikte, hinarbeiten zu können. Natürlich wusste ich, wo die einzelnen Erzählstränge angekommen waren, aber ich brauchte einen Überblick.  Die Fragen, die ich mir stellte, waren daher simpel:

  1. Was fühlen meine Protagonisten gerade? Was ist ihr aktueller Kenntnisstand?
  2. Welche Konflikte bestehen zwischen den Protagonisten? Welches Wissen müssen sie austauschen?

Das sind typische Fragestellungen aus dem Bereich der Multiagentensysteme und der Aktionsplanung. Die Antworten helfen dem Agenten, die nächste Aktion auszuwählen. Was für den (einigermaßen dämlichen) Agenten funktioniert, sollte dem (vermutlich etwas intelligenteren) Autor auch helfen, nicht wahr? Um es kurz zu machen: Ja, es war hilfreich.

Den Zustand meines Universums illustrierte ich mit Hilfe einer kleinen Landkarte (siehe oben). Protagonisten wurden darin zu Ländern. Jedes Land bekam eine kurze Beschreibung der Highlights (Antworten auf obige Frage 1). In diesem simplifizierten System stehen nur benachbarte Länder im Konflikt. Die Konflikte (Antworten auf obige Frage 2) ließen sich nun leicht an den Grenzen skizzieren. Et voilà. Weiter geht’s mit der Story.