Über die Freude am Schreiben

»Was macht dir eigentlich so viel Freude? Warum nimmst du es auf dich, ein halbes Jahr und länger an einem Roman zu sitzen?«

Gute Frage. ›Instant Gratification‹ sieht anders aus, oder?

Wenn man das Romanschreiben nur auf einer sehr hohen Warte aus betrachtet — vorher: kein Roman; nachher: ein Roman — wäre auch mir die Zeit zu lange, bis ich mich über das Ergebnis meiner Arbeit freuen kann. Man braucht schon ein paar Erfolgserlebnisse zwischendurch. Meine Promotion hat mehrere Jahre gedauert, doch in der Zwischenzeit gab es viele Phasen, die mir Freude bereitet und Erfolgsgefühle geliefert haben. Die Entstehung eines Romans unterteile ich für mich grob in fünf: die Entwicklung des Romankonzepts und die des Exposés, das Schreiben des Rohentwurfs, die Überarbeitung (durch mich selbst) und schließlich, in Zusammenarbeit mit Koautorin, Testlesern und dem Verlag, die Fertigstellung. Wo sind darin Glücksmomente zu finden?

Von der Romanidee zum Konzept

Was für eine aufregende Zeit. Der Big Bang für den Roman und das Universum, in dem er leben soll. Diese Phase halte ich ganz bewusst kurz (in Bezug zur Schreibdauer des Romans), denn sie lässt sich beliebig ausdehnen. In dieser Zeit stöbere ich in Buchhandlungen und recherchiere in Online-Katalogen. Was würde ich gerne im Buchladen finden? In welcher Ecke sollte die Geschichte stehen, damit sie potentielle Leser finden kann?

Das Konzept besteht dann für mich aus einer losen Sammlung von Notizen mit Themen, Orten, grobe Beschreibungen von Protagonisten und von Handlungssträngen. Dieses Rumspinnen und Ideensammeln macht mir viel Spaß. Sobald ich einen ersten Klappentext formulieren kann, bin ich bereit für den nächsten Schritt.

Vom Konzept zum Exposé

Mit der Notizensammlung setze ich mich dann gerne ins Café oder mit einer Tasse Kaffee in die Stadtbücherei. Jetzt gilt es Struktur in die Sache zu bringen. Welche Ideen passen zusammen und welche nicht? Welche Ideen verstärken sich gegenseitig und welche schwächen sich? Welche Charakterzüge sollten die Protagonisten haben, um alleine schon dadurch Konfliktpotential zwischen ihnen zu schaffen? Oder wird die Geschichte abenteuerlich genug, so dass die Protagonisten bereits ein Team sein müssen? Dennoch muss es Reibungspotential zwischen den Teammitgliedern geben.

Im Kopf besetze ich meine Rollen gerne mit realen Personen. Selten ziehe ich dazu meine Freunde, Bekannten und Verwandten heran. Bekannte Schauspieler sind es auch selten. Lieber suche ich nach Bildern im Web. Ob mit Google oder über Pinterest, in Shutterstock oder anderen Bildbibliotheken, es findet sich immer jemand, der meine Fantasie anregt.

Aus alledem entwickle ich die zentrale Geschichte auf zwei oder drei Seiten. Ideen, die ich nicht verwende, kommen in einen Sammelordner. Vielleicht benötige ich sie später in einer Nebenhandlung oder in einer anderen Geschichte. Neue Ideen kommen ebenfalls hinzu, doch im Gegensatz zur vorherigen Phase müssen sich jetzt alle Ideen der neuen Geschichte unterordnen.

Strukturierung, Rollenbesetzung und die Fertigstellung des Exposés sind dabei die Dinge, die mir besonders viel Freude bereiten.

Ausgestaltung des Exposés: Der erste Entwurf

»A first draft is just the writer telling the story to him- or herself; the later drafts are about telling the important parts of that story to someone else.« J. Michael Straczynski (@straczynski)

Das Exposé steht also. Meine Protagonisten sind bereit. Nun darf ich die Protagonisten beobachten und ihr Denken und Schaffen aufzeichnen. Jedes Kapitel, das den Roman Richtung Mittelteil und schlussendlich zum Finale treibt, bringt dabei seine eigenen Herausforderungen mit sich. Jede gemeisterte Herausforderung ist enorm befriedigend.

Diese Zeit des Schreibens gehört für mich zur schönsten Zeit, denn während dieser Zeit gehört die Geschichte nur mir. Ich bin ihr einziger Kritiker. Ich darf außerdem massenweise kryptische Andeutungen über die Story machen, ohne etwas erklären zu müssen. Und wenn die Erklärung zu verworren ist: »Das ist halt Work in Progress«. Solange der Roman nicht veröffentlicht ist, ist alles im Fluss.

Schon während der erste Entwurf entsteht, überarbeite ich den Text ständig. Ein Roman entsteht nicht am Stück. Je länger der Text wird, desto mehr Kapitel muss man erneut lesen, um korrekt anknüpfen zu können. Dabei passe ich den Text an. Was wissen die Protagonisten bereits, was die Leser? Ich feile und poliere, schneide weg, kondensiere. Ich erfreue mich daran, wie Details Form annehmen.

Eigene Überarbeitung(en)

Nachdem der erste Entwurf komplett steht und ich mich ein oder zwei Wochen lang über diese Tatsache gefreut habe — und währenddessen Liegengebliebenes aufgearbeitet habe — lese ich mein Werk komplett durch und mache Anmerkungen über Anmerkungen, und ich freue mich dabei, über alles, was mir bereits gelungen ist, wo ich mit der Geschichte mitgehe, lache, verachte, traure und so weiter. Danach geht es an die Detailarbeit. Die erkannten Fehler gilt es auszumerzen, Schwächen zu beheben und die Struktur weiter zu verstärken, weiter zu feilen, weiter zu polieren.

Testleserfeedback, Lektorat, Korrektorat

Jetzt wird’s ernst(er): Das Manuskript geht an die Koautorin und an Testleser. Ich freue mich auf die Rückmeldungen und setze mich gerne mit den Kommentaren und Kritikpunkten auseinander (siehe anderswo). Das gemeinsame Ziel ist letztendlich, ein gutes Buch herzustellen, eine fesselnde Geschichte. Je besser ich das mit meiner Koautorin und den Testlesern hinbekomme, desto mehr kann danach das Lektorat zusätzlich herausholen.

Das Cover

Das Cover ist schließlich das Sahnehäubchen. Es soll der Welt die Geschichte zeigen, soll Appetit machen, den Greifreflex auslösen. Während ich schreibe, denke ich immer mal wieder darüber nach, was eventuell auf dem Cover zu sehen sein könnte, doch ich habe selten eine konkrete Vorstellung und lasse mich lieber von der Kreativität der Designer überraschen.

Fazit: »Lots of fun can be had 😀«

Man arbeitet selten an nur einem Roman. Die Phasen der verschiedenen Romane überlappen sich und verstärken so die Freude am Schreiben sogar noch. Ich besuche gerne Buchhandlungen mit meiner Frau und Koautorin und spekuliere mit ihr über Ideen — ob sie zu etwas führen oder nicht, ist dabei unerheblich. Wie in jedem Beruf muss man auch als Autor mit allerlei Problemen ringen. Doch die Freude am Schreiben überwiegt für mich bei weitem.

World Building – Weltenbau

„Fremde Welten zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen …“

Gene Roddenberrys Worte aus dem Vorspann der Serie „Raumschiff Enterprise“, wie „Star Trek“ in Deutschland ja hieß, haben sich mir als Kind eingebrannt und mich nie wieder losgelassen. In unzähligen Sciencefiction- und Fantasy-Romanen bin ich dem Ruf des Abenteuers gefolgt, hinein in Anne McCaffreys Welt der Drachenreiter von Pern, Frank Herberts Dune, Isaac Asimovs Foundation-Universum, J. M. Straczynskis Welt von Babylon 5 usw. usf. Und jetzt baue ich eine eigene neue Welt, die das Ankh-Universum, das meine Frau und ich über viele Jahre hinweg angelegt haben, erweitert.

Eine neue Welt zu erschaffen, mit ihren Bewohnern und deren Geschichte, ihrer Technologie und Soziologie kann man als Riesenaufgabe ansehen oder als einen Riesenspaß. Ich entschied mich für letzteres, und seitdem stoße ich täglich eine andere Tür auf und finde neue, spannende Dinge dahinter. Der Wissenschaftler in mir will Konsistenz, Stringenz und Logik. Der 12-Jährige in mir will einfach nur Neues entdecken.

Die Welt in der wir leben ist so, wie wir sie uns erklären. Nicht alle Erklärungen sind richtig, aber solange eine Erklärung für uns Sinn macht und uns dabei hilft, die Welt zu verstehen und Lösungen für anfallende Probleme zu finden, bleiben wir bei einer einmal gefundenen Sichtweise. Und jede damit gefundene Lösung bestärkt uns darin, diese Erklärung beizubehalten.

Fremdartigkeit ist beim Weltenbau leicht zu erreichen. Man denke nur allein an die Verschiedenartigkeit menschlicher Kunst und Kultur, Architektur und Lebensweise in Ost und West. Abgefahrene Architektur? Kein Problem. Ausgefallene Körperformen? Schauen wir uns mal gewisse Einzeller und Viren an und erst diese Tiefseebewohner. Soziologie und Reproduktion? The sky is the limit.

Wie jedoch wird meine Welt interessant und nachvollziehbar, nicht distanziert und kalt oder gar völlig unverständlich?

Roddenberry stand vor diesem Problem beim Entwurf seines Star-Trek-Universums und anderer SF-Serien. Vor mehr als 50 Jahren wollte er Sciencefiction-Storys erzählen, die die Zuschauer berühren und zum Denken anregen sollten. Er musste sich diesen Fragen stellen, denn es gab zu jener Zeit keine echte SF-Serie im Fernsehen, keine Serie, die einen Gegenentwurf zur aktuellen Gesellschaft anbot. Er wusste bereits damals, dass

„ein Sciencefiction-Gerät oder eine Waffe dreimal so aufregend ist, wenn sie nicht auf einem fremden Planeten, sondern in einer vertrauten Erdumgebung benutzt wird. Das maßgebliche Wort ist ‚Kontrast‘.“ (Gene Roddenberry – Die autorisierte Biographie“, David Alexander, Heyne Verlag 1997, S. 407)

Als Beispiele führte er die Star-Trek-Episoden an, in der Kirk, Spock und andere Mitglieder der Besatzung in unsere Gegenwart gerieten. Sie standen besonders hoch in der Gunst der Zuschauer. Oder man denke an „Star Trek IV – Zurück in die Gegenwart. Dr. McCoy gibt einer Dialysepatientin eine Pille, die der Frau eine gesunde Niere wachsen lässt. Wir verstehen – auch und insbesondere emotional – den Wert dieses ‚Sciencefiction-Geräts‘, denn es kontrastiert stark mit dem ‚finsteren Mittelalter‘, wie McCoy unsere Gegenwart bezeichnet.

Und weiter meint Roddenberry:

„Jeder erfolgreiche Autor sollte wissen, dass der einzige Feind, der in der Lage ist, eine Fernsehserie zu tragen, der Mensch selbst ist. […] Es hat noch nie ein Buch, Drehbuch, Bühnenstück oder Fernsehspiel gegeben, das ein anderes Thema als ‚Der Mensch im Kampf mit sich selbst‘ – oder mit anderen Menschen – aufgegriffen hat und dabei erfolgreich war.“ (ebenda)

Ich werde seinen Rat beherzigen.

Schreibpraxis: Von der Idee zur Story

Kürzlich fragte mich jemand, wie ich denn zu meinen Storys komme. Ob ich denn erst Grundthemen hätte und daraus eine Geschichte entwickeln würde oder umgekehrt. Über die Antwort musste ich doch einen Moment lang nachdenken, und sie lautet wohl: Weder noch.

Meine Storyentwicklung ist figurenzentriert. In meinem Kopf tummeln sich seit Jahren Figuren verschiedenen Alters und Geschlechts, die in verschiedensten Beziehungen zueinander stehen: Freunde und Feinde, Eltern und Kinder, potentielle Pärchen. Manche sind auf der Flucht oder der Suche nach etwas usw. usf. Außerdem sind da auch interessante Locations und aufregende Abenteuer, die die Mädchen und Jungen, Frauen und Männer und verschiedenste Kreaturen erleben könnten: „An diesem Ort würde ich gerne mal eine Kampf- oder Liebesszene spielen lassen.“, „Würde sich dieser Balkon nicht anbieten, um von hier aus den korrupten Politiker abzuhören?“, „Hier sollte ein Riss im Zeit-Raum-Kontinuum stattfinden, durch den die Y-Zecken in unser Universum eindringen.“

Wie alle Ideen in meinem Kopf, sind sie zunächst unausgearbeitet und bruchstückhaft. Es sind halt Ideen. Wie jeder Koch weiß, kann man eine Menge Zutaten in der Speisekammer habe, die, zusammen genommen, noch lange kein Gericht ergeben. Ich muss mich schon hinsetzen und ein Exposé schreiben, also einen Gesamtentwurf der Geschichte mit Anfang, Mittelteil und ausgearbeitetem Ende anfertigen, um aus den ‚fluffigen‘ Charakteren in meinem Hirn klar(er) gezeichnete Protagonisten und Antagonisten zu machen. Etliche der Ideen für Figuren verschmelzen dabei in konkrete neue Figuren, die dadurch viele Facetten bekommen und (hoffentlich) interessanter werden. (In den ersten Band meiner aktuellen Romantrilogie sind mindestens fünf verschiedene Romananfänge und Teilexposés eingeflossen.) Die ausformulierten Protagonisten und ihre Gegenspieler bestimmen dann, wie sich die Story entwickelt bzw. überhaupt entwickeln kann. Das Grundthema der Geschichte – von manchen auch Prämisse genannt – ergibt sich, mehr oder weniger deutlich formuliert, bei der Entwicklung des Exposés und hilft mir, die zu erzählende Geschichte zu verstärken.

Im Schreiben eines Exposés steckt für mich der Schlüssel für die Beurteilung der Tragfähigkeit einer Storyidee. Ein Exposé muss dafür nicht einmal besonders brilliant formuliert sein (auch wenn das natürlich hilft). Ein niedergeschriebenes Exposé gibt insbesondere anderen die Möglichkeit, sich eigene Gedanken zu machen und zu kritisieren und kommentieren. Die innere (Un)Logik kommt dann schnell zum Vorschein. Denn jeder kennt das: Was einem im Traum wunderbar logisch erschien, macht, bei hellem Tageslicht betrachtet, oftmals keinen Sinn. Das Exposé ist für mich letztendlich ein Anker, mit dem ich meine Figuren an der Story und der Prämisse befestigen kann, und umgekehrt. Es ist der Rahmen, in dem ich mit den Bestandteilen spielen kann und sehe, ob sie und wie sie zusammenpassen und wie sie miteinander interagieren.

Beta-Phase

Nephilim Hunter 1 geht an die Testleser, die uns nun schon seit mehr als zehn Jahren mit ihrer konstruktiven Kritik begleiten. Sie wissen, was zu tun ist. Dennoch stellte ich mir die Frage: „Was erwartest du eigentlich von Deinen Testlesern?“

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Die Verkostung des „Puddings“ führte zu intensiver Überarbeitung. Nun ist es an der Zeit, dass Nephilim Hunter 1 – David an unsere Testleser geht, die uns nun schon seit mehr als einem Jahrzehnt mit ihrer konstruktiven Kritik begleiten. Sie wissen, was zu tun ist. Dennoch stellte ich mir die Frage: „Was erwartest du eigentlich von Deinen Testlesern?“

Im Englischen wird ein Testleser beta reader genannt. Der Begriff hat sich auch im Deutschen eingebürgert, mit vielen Parallelen zum Beta-Test (Feldtest) in der Informatik. Beide Begriffe beziehen sich auf praktisch fertige Produkte, die intensiv von erfahrenen Benutzern bzw. Lesern unter „Feldbedingungen“ getestet werden. Dazu gehört sicherlich die Beantwortung von grundsätzlichen Fragen der Konsistenz in der Begrifflichkeit, der Logik und der strukturellen Transparenz.

Natürlich wünsche ich mir zunächst einmal, dass ich meine Testleser nicht enttäusche und dass sie Spaß daran haben, in die Geschichte einzutauchen und mit den Figuren mitzufiebern. Ich möchte gerne erfahren, wo mir etwas besonders gelungen ist. War dies oder jenes eine clevere Idee oder gelungene Wendung? Habe ich einen Schauplatz besonders bildhaft beschrieben? Kommt die Chemie zwischen den Protagonisten gut rüber?

Nach monatelanger Arbeit am Roman brauche ich positives Feedback. Und dabei gilt: Je spezifischer, desto besser.

Viel wichtiger ist es allerdings, die eigene Betriebsblindheit zu überwinden. Testleser sollen intensiv mitdenken und tief bohren. Und wenn es weh tut, dann noch ein bisschen tiefer bitte.

Wo knirscht es im Getriebe? Habe ich an einer Stelle vergessen, etwas Wichtiges zu erwähnen? Hätte ich etwas bereits früh andeuten müssen, damit man (besser) versteht, was gerade passiert? Habe ich mich unnötig wiederholt? Leidet das Pacing unter zu viel Beschreibung an der falschen Stelle? Langweilt eine Beschreibung und trägt nichts zur Geschichte bei? Agieren die Protagonisten so gut sie können? Schöpfen sie ihr Potential aus? Und so weiter und so fort.

Ich erwarte auf keinen Fall Korrekturvorschläge. Das Beheben der Probleme ist meine Aufgabe. Allein der Hinweis, dass ein Absatz unrund ist oder etwas an einer Stelle im Argen liegt, hilft schon enorm weiter.

Bis nun das Feedback eintrifft, setze ich mich dann mal weiter an das Exposé für den zweiten Teil der Reihe. Nach dem Roman ist vor dem Roman!

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Schreibpraxis: Vom Dialog zur Szene

DialogfetzenBeim Schreiben einer Szene sehe ich mehr oder weniger deutlich vor meinem geistigen Auge, wie die Personen interagieren und natürlich, was sie sagen und denken. Ich überlege mir dann, welchen Blickwinkel ich einnehmen will, um die Szene effektiv zu machen. Dialog und Prosa gehen dabei Hand in Hand. Soweit so normal.

Diese Woche jedoch ist mir etwas seltsames beim Schreiben einer Szene passiert. Bei dieser Szene fiel mir nur der Dialog ein. Ich hatte keine Ahnung, was ich um die Figuren herum beschreiben könnte. Ich muss hier erwähnen, dass die Personen neu waren und in dieser Szene eingeführt wurden. Dennoch war mir diese Art der Blockade, wenn man dies denn so nennen möchte, neu.

In kürzester Zeit schrieb ich den Dialog im Drehbuchstil herunter (siehe Abbildung). Und ich muss sagen, das hat Spaß gemacht. Nachdem ich den Dialog hatte, habe ich mich dann daran gemacht, die Regieanweisungen in Prosa umzuwandeln und den Text zu einer vollständigen Szene auszubauen.

Ich werde diese Vorgehensweise, also zunächst den Dialog zu entwickeln und dann die ‚Lücken‘ zu füllen, bald wiederholen. Vielleicht hilft das über Hürden hinweg, wenn ich noch nicht weiß, wo eine Szene spielen soll oder aus wessen Blickwinkel ich die Szene erzählen will. Stay tuned!

Schreibpraxis: Konfliktkarte

„Wo geht’s weiter in der Story?“ Eine Frage, die mir in der vergangenen Woche gehörig Kopfzerbrechen bereitet hat. Ich habe ein recht detailliertes Exposé, in dem ich abgearbeitete Elemente ausgraue, um offene Punkte auf einen Blick erkennen zu können. Das Exposé forderte Szenen, auf die ich mich schon freute, aber irgendwie klaffte da eine Lücke, die ich nicht schließen konnte. Es kostete mich einiges an Schweiß und Nachdenken – immerhin keine Tränen – im Fitnessstudio und beim Laufen auf den Lesum-Deichen, bis ich erkannte, dass meine Protagonisten noch nicht bereit waren, dass sie noch nicht alles wussten, um wie gewünscht agieren zu können.

Während ich also mit dem Weiterkommen kämpfte, bearbeitete und erweiterte ich den bestehenden Text. Man will ja nicht stillstehen. Außerdem gibt es genug am Manuskript zu tun. Beschreibungen müssen vervollständigt werden, Gedankengänge müssen ausführlicher und verständlicher dargestellt und (falsche) Spuren gelegt werden. Die Frage blieb: Wie bringe ich die Story voran?

Zur Lösung meines Dilemmas griff ich auf Grundlagen meiner wissenschaftlichen Ausbildung zurück. Um etwas neues zu erfinden, muss man den State-of-the-Art kennen. Übertragen auf meinen Roman hieß das schlicht, festzustellen, was der aktuelle Zustand meines Universums war, um, davon ausgehend, weiter auf das Ziel, also den Showdown und die Auflösung aller Konflikte, hinarbeiten zu können. Natürlich wusste ich, wo die einzelnen Erzählstränge angekommen waren, aber ich brauchte einen Überblick.  Die Fragen, die ich mir stellte, waren daher simpel:

  1. Was fühlen meine Protagonisten gerade? Was ist ihr aktueller Kenntnisstand?
  2. Welche Konflikte bestehen zwischen den Protagonisten? Welches Wissen müssen sie austauschen?

Das sind typische Fragestellungen aus dem Bereich der Multiagentensysteme und der Aktionsplanung. Die Antworten helfen dem Agenten, die nächste Aktion auszuwählen. Was für den (einigermaßen dämlichen) Agenten funktioniert, sollte dem (vermutlich etwas intelligenteren) Autor auch helfen, nicht wahr? Um es kurz zu machen: Ja, es war hilfreich.

Den Zustand meines Universums illustrierte ich mit Hilfe einer kleinen Landkarte (siehe oben). Protagonisten wurden darin zu Ländern. Jedes Land bekam eine kurze Beschreibung der Highlights (Antworten auf obige Frage 1). In diesem simplifizierten System stehen nur benachbarte Länder im Konflikt. Die Konflikte (Antworten auf obige Frage 2) ließen sich nun leicht an den Grenzen skizzieren. Et voilà. Weiter geht’s mit der Story.

Schreibpraxis: Kreative Räume

Mit den drei Werkzeugen Whiteboard, Magnetleisten und Moderationstafel erzeuge ich mir eine kreative Blase, die mir Eckpunkte meines aktuellen Romans immer vor Augen hält. Details sind immer direkt greifbar. Wichtige Rechercheergebnisse brauche ich nicht erst irgendwo herauszukramen. Wenn meine Augen durch das Büro wandern, finden sie immer etwas, das zum Romanprojekt gehören. Alle anderen To-Do-Listen und Erinnerungen habe ich aus meinem unmittelbaren Blickfeld verbannt. Und wenn ich gewisse Aspekte im Roman verarbeitet habe, räume ich das Material einen vorbereiteten Karton. So verändert sich mein kreativer Raum mit der Zeit und bleibt dabei immer aktuell.

Jeder Autor versucht täglich, schnell in seinen kreativen Flow zu kommen, in den „Zustand des Glücksgefühls, in den Menschen geraten, wenn sie gänzlich in einer Beschäftigung ‚aufgehen'“ (Mihály Csíkszentmihályi). Das war nicht anders, als ich früher an wissenschaftlichen Papieren arbeitete oder heute an Romanprojekten schreibe. Ich versuche immer, mir kreative Räume zu schaffen. (Und ich meine damit nicht kreative Freiräume! Das ist vielleicht ein zukünftiger Blogpost.)

In meinem letzten Blogeintrag habe ich das EU-Projekt NEPOMUK – The Social Semantic Desktop angesprochen. In diesem Forschungsprojekt haben wir an der Implementierung des persönlichen Wissensarbeitsplatzes gearbeitet. Für mich war der spannendste Anteil die Arbeit mit Kollegen der Königlichen Technischen Hochschule (Kungliga Tekniska högskolan, kurz KTH) in Stockholm. Meine schwedischen Kollegen brachten unter anderem ihr Wissen und ihre Erfahrungen aus dem technischen Design und dem Design von Mensch-Maschine-Interaktionen ein. In contextual interviews und durch Beobachtung von PC-Benutzern entwickelten sie Personas, fiktive Personen, die bestimmte Benutzergruppen verkörpern. ellaSo gab es zum Beispiel Ella, Mutter von zwei Kindern, Lucien (3) und Adèle (5), verheiratet mit Anton. Die Familie lebt in einer Villa in Maisons-Laffitte, einer Pariser Vorstadt. Es gibt noch einiges mehr in ihrer Beschreibung, u. a. welche Berufsziele sie hat und wie wir sie mit dem Wissensarbeitsplatz unterstützen könnten. Neben dem Portrait wurde von allen Personas Ganzkörperabbildungen geschaffen. Und bei unseren Projekttreffen waren alle Personas anwesend, auf Ausziehbannern in Lebensgröße. Sie waren im Blick und in kleineren Besprechungsräumen auch manchmal im Weg. Es war schwer sie zu ignorieren. Und das war auch der Sinn und Zweck.

Als ich das HCI-Department an der KTH einmal besuchte, fiel mir auf, wie viele Design-Beispiele in der ganzen Abteilung sichtbar waren, in Vitrinen ausgestellt oder einfach als Printouts an der Wand. Ich lernte, dass Designer generell so arbeiten. Sie brauchen die Beispiele als Trigger für die eigene Kreativität. Was ich noch besser fand: Sie benutzten diese Beispiele aktiv als Trigger und zur Unterstützung ihrer kreativen Prozesse.

Ich bin ein großer Fan von Making-of-Dokumentationen von Spielfilmen und gebe gerne ein paar Euro mehr aus für Special Editions. Besonders lehrreich fand ich damals – so 2002 oder 2003 denke ich – die ausführlichen Erläuterungen zu den kreativen Entwicklungsprozessen von Peter Jacksons Herr-der-Ringe-Trilogie. Da sind zum Beispiel die WETA-Workshop-Büros zu sehen, die förmlich überquellen von Modellen und Designentwürfen. Gesehen hatte ich das schon, aber den Bezug hatte ich nicht hergestellt zwischen Inspiration zur Hand haben und eigene Kreativität anwenden. Diesen Bezug stellte ich erst etwa fünf Jahre später im Rahmen der Arbeit mit den Stockholmer Kollegen her.

Im Grunde gilt: Jeder Raum lässt sich leicht zum kreativen Raum aufrüsten, indem man aus ihm alles ablenkende Material entfernt und in ihm die richtigen Werkzeuge bzw. Informationen griffbereit zur Hand legt. Wenn ich mich nicht um die Suche nach wichtigen Informationen kümmern muss, sondern mich einfach danach umdrehen oder zur Seite greifen kann, um sie zu finden, bleibe ich viel wahrscheinlicher in meinem Flow.

Seit den NEPOMUK-Zeiten gehören daher drei Dinge zur Grundausstattung meiner Büros: Whiteboard, Magnetleisten und Moderationstafel .

WhiteboardDas Whiteboard muss dabei groß genug sein. Es sollte zudem unbedingt magnetisch sein, damit man schnell mal etwas aufhängen kann. Man kann darauf wunderbar Ideen entwickeln und mit anderen diskutieren. Es ist ein temporärer Ideenraum und nicht dafür gedacht, etwas länger zu dokumentieren. Mit einem Smartphone ist das Ergebnis trotzdem schnell festgehalten.

MagnetleistenEbenfalls unverzichtbar sind für mich alle magnetischen Oberflächen. An zwei Universitäten hatte ich Metallspinde im Büro, die hervorragend geeignet waren, Photographien, Bildschirmsnapshots, Besprechungsnotizen, Entwürfe von Softwarearchitekturen etc. griffbereit aufzuhängen. In unserem aktuellen Arbeitszimmer verwenden wir selbstklebenden Edelstahl-Magnetstreifen.

ModerationstafelDas dritte für mich unverzichtbare Werkzeug für die Einrichtung eines kreativen Raums ist eine Moderationstafel. So manchem sind die filzbespannten Tafeln von Messen oder Fortbildungsveranstaltungen bekannt. An eine Moderationstafel kann man wiederum alles mögliche mit Pins befestigen. Wer will, kann wie bei CSI oder ähnlichen Polizeiserien farbiges Garn zwischen den Fotos, Texten und Skizzen spannen, um Verbindungen zu symbolisieren. Mir reicht die hier dargestellte Gruppierung von Elementen völlig aus. Bisher 😉

Mit den drei Werkzeugen Whiteboard, Magnetleisten und Moderationstafel erzeuge ich mir eine kreative Blase, die mir Eckpunkte meines aktuellen Romans immer vor Augen hält. Details sind immer direkt greifbar. Wichtige Rechercheergebnisse brauche ich nicht erst irgendwo herauszukramen. Wenn meine Augen durch das Büro wandern, finden sie immer etwas, das zum Romanprojekt gehört. Alle anderen To-Do-Listen und Erinnerungen habe ich aus meinem unmittelbaren Blickfeld verbannt. Und wenn ich gewisse Aspekte im Roman verarbeitet habe, räume ich das Material in einen vorbereiteten Karton. So verändert sich mein kreativer Raum mit der Zeit und bleibt dabei immer aktuell.

Schreibpraxis: Informationen sammeln mit der Notizen-App

Wenn man bei der Recherche mehrere Informationen in der selben Notiz speichern möchte, kann man einfach im Dialog die entsprechende Notizen auswählen. Dann wird die neue Information an die gewählte Notiz angehängt.

Was für eine tolle Idee. Wäre die nicht was für einen Thriller? Ist das nicht rührend? Sollte man nicht eine Liebesgeschichte darum herum stricken? Und diese lebendige Beschreibung. So einen mitreißenden Schreibstil möchte ich auch entwickeln. 

Solche Gedanken gehen mir andauernd durch den Kopf, wenn ich etwas lese. Das kann eine Stelle in einem Roman sein, der ansonsten kaum fesseln kann, oder ein Artikel in der Apothekerzeitung, die beim Frisör herumliegt. In meinen sozialen Netzwerken habe ich so viele interessante und kluge Freunde, die andauernd Informationen teilen, die irgendwann hilfreich sein könnten.

Evernote war für einige Zeit mein Werkzeug der Wahl, um den Überblick über meine ‚Informationsrohdiamanten‘ zu behalten. Eine Erweiterung für meinen Internet-Browser Safari machte es leicht, Textabschnitte oder ganze Webseiten zu sammeln. Da ich jedoch nur die freie Version nutzen wollte, gab es naturgemäß Einschränkungen.

Omnifocus missbrauchte ich eine Weile zur Informationssammlung. Hier machte es auf Dauer natürlich keinen Sinn, da ich mit Omnifocus ja etwas erreichen wollte. Eben ‚Getting Things Done‘. Informationen als ‚Waiting‘ zu katalogisieren, erschien mir dann doch irgendwann als wenig hilfreich, da ich so die Projektlisten überfrachtete und der Überblick verloren ging.

In der Zwischenzeit hatte sich von mir gänzlich unbemerkt die Notizen-App gemausert. Ich nutze sie zwar seit 2007, wie ich gerade verblüfft feststellte, aber da sie lange Zeit nur Text aufnahm, war sie nicht auf meinem Radar. Seit einer Weile verwaltet die Notizen-App nun aber vieles mehr.

Wie ich in einem anderen Beitrag erzählt habe, nutze ich die App, um Blog-Beiträge, Artikel und Romanszenen mit dem Apple Pencil vorzuformulieren. Ordner erlauben es mir zudem, verschiedene Kontexte zu bilden, z. B. „Blog“, „Aktueller Roman“ oder „Romanideen“. In beiden Betriebssystemen, MacOS und iOS, kann ich in fast jeder Anwendung das Teilen-Menü  aufrufen, und erst vor wenigen Wochen ist mir dabei aufgefallen, dass darin auch der Punkt ‚Zu „Notizen“ hinzufügen‘ enthalten ist.

Seitdem speichere ich darüber interessante Webadressen, Bilder etc. auf dem Mac oder dem iPad/iPhone. Die automatische Synchronisierung sorgt dann dafür, dass ich die Informationen auch jederzeit und überall zur Hand habe.

Tipp: Wenn man bei der Recherche mehrere Informationen in der selben Notiz speichern möchte, kann man einfach im Dialog die entsprechende Notizen auswählen. Dann wird die neue Information an die gewählte Notiz angehängt.

Hier im Beispiel kann die Notiz mit der Webadresse dieses Blogs in eine neue Notiz verwandelt oder an eine existierende angehängt werden, z. B. an den Eintrag „Schreibpraxis: Ideen sammeln mit der Notizen-App“.

Schreibpraxis: Integrierte Schreibumgebung Scrivener

Vor ein paar Jahren bin ich auf die integrierte Schreibumgebung Scrivener gestoßen. Scrivener unterstützt sowohl das Schreiben kurzer als auch langer Texte. Wichtig für mich ist die Möglichkeit, den Romantext vom Recherchematerial getrennt zu halten, aber doch im selben System zu pflegen. Jedes Dokument hat einen Status (z. B. „To Do“ oder „Draft“). Bei jeder Szene, weiß ich damit sofort, ob sie abgeschlossen ist. Mit einem farbigen Label markiere ich, aus wessen Sicht die entsprechende Szene erzählt wird. Die Karteikartenansicht hilft mir, den Überblick zu behalten.

Jeder kennt das Problem. Man hat zig Dokumente, Photos und Konzepte, die in einem Sinnzusammenhang stehen, aber man hat diesen Zusammenhang ‚nur‘ im Kopf. Man kann ihn im Computer nicht adäquat abbilden. Man baut sich unter Umständen Krücken wie eine Textdatei, die zusammengehörende Dokumente benennt, vielleicht noch mit ein paar erläuternden Worten zu jedem Dokument. Die Datei- und Ordnernamen werden sorgfältig ausgewählt sowie Ordnerhierarchien konstruiert („Angebote 2017“, „Rechnungen 2017“, „Rechnung 2017-01.doc“, „Rechnung 2017-02.doc“, etc.). Auch Mindmaps können helfen. Aber wehe dem, Ordnerpfade oder Dateinamen werden geändert. Und nach ein paar Monaten oder Jahren hat man das meiste sowieso vergessen.

Vor mehr als zehn Jahren habe ich im Forschungsprojekt NEPOPMUK – The Social Semantic Desktop untersucht, wie man beliebige digitale Objekte (Dateien, Referenzen, Elemente in Daten) miteinander sinnvoll in Zusammenhang stellen kann. „Tags“ und „Labels“ sind solche Möglichkeiten, die moderne Betriebssysteme mittlerweile neben Ordnerhierarchien für die Strukturierung zur Verfügung stellen. Da die sinnvolle Unterstützung von der jeweiligen Anwendungsdomäne bzw. dem Anwendungszweck abhängt, ist es jedoch sehr schwer, so etwas allgemeingültig auf Betriebssystemebene anzubieten. Integrierte Entwicklungsumgebungen können das schon eher.

Integrierte Entwicklungsumgebungen (Integrated Development Environment, IDE) nennt man in der Softwareentwicklung Programmpakete, die die systematische Entwicklung von qualitativ hochwertigem Programmcode in kurzer Zeit unterstützen. Diesem Zweck sind alle internen Strukturen und Editoren angepasst. Code gehört dabei gewissen Kategorien an (z. B. Benutzerschnittstelle oder Datenbankzugriff) und ist in bestimmten Sprachen geschrieben (z. B. Java oder C++). Manche Datei ist nur zur Referenz enthalten oder illustriert Projektentscheidungen. Jede Datei hat einen Status. Und so weiter …

Wer mich kennt, weiß, dass ich strukturiertes Vorgehen jederzeit dem chaotischen vorziehe. Wenn ich ein System finde, das für mich funktioniert, bleibe ich dabei. Ich baue systematische Vorgänge und Automatismen auf, wo ich kann. Das entlastet mich. Systeme erlauben mir, mich auf wichtige Dinge zu konzentrieren und unwichtige zu verdrängen. Die Anwendung von Getting Things Done mit Hilfe von Omnifocus, die Verwendung von Say&Go und das automatische Abspeichern der Sprachnotizen in meiner Dropbox sowie die Bevorzugung handschriftlicher Notizen zur Entwicklung von Ideen und Texten sind Beispiele dafür. Es dürfte also niemanden verwundern, dass ich eine geschlossene, integrierte Schreibumgebung der Verwendung von Einzelprogrammen und Betriebssystemordnern vorziehe.

Vor ein paar Jahren bin ich auf die integrierte Schreibumgebung Scrivener (Literature and Latte Homepage) gestoßen, die mir alles liefert, was ich zum Schreiben brauche. Scrivener unterstützt sowohl das Schreiben kurzer Texte (z. B. Aufsätze aller Art) als auch das Verfassen längerer Texte wie Dissertationen, Romane oder Drehbücher. Was für mich ausschlaggebend war, ist die Möglichkeit, den Romantext vom Recherchematerial getrennt zu halten, aber doch im selben System zu pflegen. Ich kann Bildmaterial sammeln, Textschnipsel oder Webadressen. Alles kann ich mit Kommentaren versehen. Jedes Dokument hat einen Status (z. B. „To Do“ oder „Draft“). Bei jeder Szene, weiß ich damit, ob ich mit ihr zufrieden bin oder ob ich noch Arbeit hineinstecken muss. Ich kann jedem Dokument ein farbiges Label verpassen. Ich benutze dieses Feature zurzeit, um zu markieren, aus wessen Sicht ich die entsprechende Szene schreibe bzw. schreiben will.

Scrivener stellt mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, die Struktur meines Romans darzustellen und zu ändern. Für jedes Dokument kann ich eine kurze Zusammenfassung schreiben. Sehr nützlich für die Planung, kann ich nur sagen. Die Karteikarten Ansicht zeigt die entsprechende Zusammenfassung. Hier kommt die farbliche Markierung gut zum Tragen. Erzähle ich mehrere Szenen aus der Sicht derselben Person? Versetze ich mich oft genug in dieselbe Person oder nicht oft genug? Das ist dann leicht zu erkennen.

Scrivener-Karteikartenansicht
Karteikartenansicht in Scrivener
Scrivener-Gliederungsansicht
Gliederungsansicht in Scrivener

Die Karteikartenansicht und die Gliederungsansicht sind beide sehr nützliche Perspektiven auf den Roman und für die Änderung der Szenenreihenfolge. Mit einem Click verschiebe ich eine Szene oder fasse Szenen zu einem Kapitel zusammen. Damit man im Falle eines Falles Änderungen schnell rückgängig machen kann oder, positiver formuliert, damit man verschieden Szenarien durchspielen kann, erlaubt Scrivener Snapshots zu machen, zu denen man einfach zurückkehren kann.

Scrivener-ProjektzieleFür freischaffende Autoren sind Deadlines ein notwendiges Übel. Scrivener unterstützt auch hier. Man kann die Wochentage einstellen, an denen man effektiv schreibt. Basierend auf einem Abgabedatum und dem Manuskriptziel, formuliert in Anzahl Zeichen, Worten oder Seiten, berechnet Scrivener automatisch den Fortschritt und wieviele Zeichen, Worte oder Seiten pro Tag geschrieben werden müssen, um die Deadline zu halten. Wie bei der AppleWatch und meinen täglichen Fitnesszielen finde ich das tägliche Erreichen meines Schreibziels sehr motivierend. So bekomme ich auch ein Gefühl für meine Fortschritte.

Scrivener bietet noch eine ganze Menge mehr Funktionen, über die ich ein anderes Mal berichten werde.

Schreibpraxis: Getting Things Done und Say&Go

Mit Say&Go nehme ich Sprachnachrichten mit nur einem Klick/Touch auf meiner AppleWatch auf. Automatisch in meiner Dropbox gespeichert, stehen mir die Sprachnachrichten danach immer und überall zur Verfügung. „Getting Things Done“ wird damit noch einfacher umzusetzen.

„Nicht die Milch und das Backpulver vergessen. Nicht die Milch und das Backpulver vergessen.“

Wer kennt nicht dieses gebetsmühlenartige Wiederholen von Informationen, zum Beispiel auf dem Weg zum Supermarkt. Wir haben eine Idee und können sie gerade nicht aufschreiben. Schon muss unser Gehirn sich darauf fokussieren, und es bleibt für nichts anderes mehr verfügbar.

Unser Gehirn ist nicht sonderlich gut darin, sich Dinge kurzfristig zu merken. Dafür ist unser Kurzzeitgedächtnis gar nicht gedacht. Ohne Training fällt es uns ausgesprochen schwer, mehrere Dinge zuverlässig gleichzeitig im Kopf zu behalten. Oft genug bemerken wir erst später, dass wir vergessen haben, uns auf obiges Mantra zu konzentrieren. Daher bin ich seit Jahren ein Fan von David Allens „Getting Things Done“-Methode.

Getting Things Done, oder GTD, basiert auf der obigen Erkenntnis, dass unser Kurzzeitgedächtnis Probleme hat, mehr als eine Handvoll Dinge zu behalten. Alles, was getan werden soll, muss daher in ein zuverlässigeres System übertragen werden. Bei GTD werden daher Listen geführt (Projekte), die dann systematisch abgearbeitet werden können. Dabei geht dann nichts verloren. (Vor ein paar Jahren habe ich ein paar Worte zu GTD und Omnifocus (auf Englisch) verloren. Omnifocus benutze ich immer noch und sehr gerne.)

Das Thema, um das es mir in diesem Blogpost geht, ist das Festhalten von Ideen oder Dingen, die ich später erledigen will. Als Autor hat man immer etwas zum Aufschreiben in greifbarer Nähe. Zuhause ist das für mich kein Problem. Unterwegs nutze ich mein Smartphone oder Tablet. Solange ich die Hände frei habe, funktioniert das ganz gut. Aber was macht man beim Autofahren? Oder auf dem Fahrrad? Auch da kann einen ja die Muse hinterrücks überfallen und küssen.

Ich baue regelrecht darauf, dass mir Ideen beim Sport im Gym oder beim Laufen draußen in der Natur kommen. Jedesmal war ich bisher gezwungen, entweder das Handy aus einer speziellen Tasche herauszufummeln oder zu versuchen, mir krampfhaft zu merken, was mir eingefallen ist. „Denk‘ daran, dass der Geheimcode 42 ist. Denk‘ daran …“ Nur um nach der Dusche festzustellen, dass ich mich weder daran erinnern kann, dass es um einen Geheimcode und um eine bestimmte Zahl ging. Nur dass es wichtig war und eine gute Idee, das behalte ich.

Vor kurzem bin ich auf diese nützliche (und preiswerte) App gestoßen: Say&Go. Sie macht nicht viel, aber sie macht genau das, was ich brauche. Say&Go zeichnet Audionachrichten auf. Mit nur einem Klick/Touch. Voreingestellt ist eine Aufnahmezeit von sieben Sekunden, was sich für mich bewährt hat. Man kann entweder diese Zeit ändern oder, wenn man gerade besonders viel aufnehmen will, spontan eine Minute hinzufügen. Im Prinzip kann das die mitgelieferte iPhone-App Sprachmemos auch. Aber man muss mehr mit der App interagieren, was beim Laufen auf dem Laufband oder in der freien Natur hinderlich bzw. gefährlich ist.

Was Say&Go für mich letztendlich so praktisch macht, ist die zugehörige AppleWatch-App. Im Gym oder beim Laufen steckt mein iPhone, wie oben erwähnt, in einer speziellen Tasche. Es ist umständlich, das Smartphone herauszuholen. Es besteht immer die Gefahr, dass es dabei herunterfällt (oder eben ich). Die AppleWatch ist am Handgelenk und hat ein eigenes Mikrofon (samt Lautsprecher – aber den benutze ich selten). Mit Say&Go heißt es jetzt einfach:

  • App aktivieren
  • Aufnahme starten
  • Idee aufsprechen
  • Fertig

Die App stoppt, wie gesagt, nach der voreingestellten Zeit automatisch. So geht nichts verloren, und mein Kopf bleibt frei für weitere Ideen oder das Genießen der Landschaft.

Sobald ich dann zuhause bin oder ein WLAN verfügbar ist, kommt ein zweites nützliches Feature von Say&Go zum Tragen. Wenn man die App mit dem eigenen Dropbox-Account verbindet, werden aufgezeichnete Sprachnachrichten automatisch vom iPhone in einen Dropbox-Ordner verschoben. Am iMac oder iPad höre ich mir dann die Aufzeichnung an und übertrage die Notiz, zum Beispiel in ein entsprechendes Projekt in Omnifocus oder vermerke eine Erinnerung in meinem Manuskript.

Wie macht ihr das? Welche Apps oder welches System nutzt ihr, um effizient Ideen aufzuzeichnen und wiederzufinden?