Schreibpraxis: Getting Things Done und Say&Go


„Nicht die Milch und das Backpulver vergessen. Nicht die Milch und das Backpulver vergessen.“

Wer kennt nicht dieses gebetsmühlenartige Wiederholen von Informationen, zum Beispiel auf dem Weg zum Supermarkt. Wir haben eine Idee und können sie gerade nicht aufschreiben. Schon muss unser Gehirn sich darauf fokussieren, und es bleibt für nichts anderes mehr verfügbar.

Unser Gehirn ist nicht sonderlich gut darin, sich Dinge kurzfristig zu merken. Dafür ist unser Kurzzeitgedächtnis gar nicht gedacht. Ohne Training fällt es uns ausgesprochen schwer, mehrere Dinge zuverlässig gleichzeitig im Kopf zu behalten. Oft genug bemerken wir erst später, dass wir vergessen haben, uns auf obiges Mantra zu konzentrieren. Daher bin ich seit Jahren ein Fan von David Allens „Getting Things Done“-Methode.

Getting Things Done, oder GTD, basiert auf der obigen Erkenntnis, dass unser Kurzzeitgedächtnis Probleme hat, mehr als eine Handvoll Dinge zu behalten. Alles, was getan werden soll, muss daher in ein zuverlässigeres System übertragen werden. Bei GTD werden daher Listen geführt (Projekte), die dann systematisch abgearbeitet werden können. Dabei geht dann nichts verloren. (Vor ein paar Jahren habe ich ein paar Worte zu GTD und Omnifocus (auf Englisch) verloren. Omnifocus benutze ich immer noch und sehr gerne.)

Das Thema, um das es mir in diesem Blogpost geht, ist das Festhalten von Ideen oder Dingen, die ich später erledigen will. Als Autor hat man immer etwas zum Aufschreiben in greifbarer Nähe. Zuhause ist das für mich kein Problem. Unterwegs nutze ich mein Smartphone oder Tablet. Solange ich die Hände frei habe, funktioniert das ganz gut. Aber was macht man beim Autofahren? Oder auf dem Fahrrad? Auch da kann einen ja die Muse hinterrücks überfallen und küssen.

Ich baue regelrecht darauf, dass mir Ideen beim Sport im Gym oder beim Laufen draußen in der Natur kommen. Jedesmal war ich bisher gezwungen, entweder das Handy aus einer speziellen Tasche herauszufummeln oder zu versuchen, mir krampfhaft zu merken, was mir eingefallen ist. „Denk‘ daran, dass der Geheimcode 42 ist. Denk‘ daran …“ Nur um nach der Dusche festzustellen, dass ich mich weder daran erinnern kann, dass es um einen Geheimcode und um eine bestimmte Zahl ging. Nur dass es wichtig war und eine gute Idee, das behalte ich.

Vor kurzem bin ich auf diese nützliche (und preiswerte) App gestoßen: Say&Go. Sie macht nicht viel, aber sie macht genau das, was ich brauche. Say&Go zeichnet Audionachrichten auf. Mit nur einem Klick/Touch. Voreingestellt ist eine Aufnahmezeit von sieben Sekunden, was sich für mich bewährt hat. Man kann entweder diese Zeit ändern oder, wenn man gerade besonders viel aufnehmen will, spontan eine Minute hinzufügen. Im Prinzip kann das die mitgelieferte iPhone-App Sprachmemos auch. Aber man muss mehr mit der App interagieren, was beim Laufen auf dem Laufband oder in der freien Natur hinderlich bzw. gefährlich ist.

Was Say&Go für mich letztendlich so praktisch macht, ist die zugehörige AppleWatch-App. Im Gym oder beim Laufen steckt mein iPhone, wie oben erwähnt, in einer speziellen Tasche. Es ist umständlich, das Smartphone herauszuholen. Es besteht immer die Gefahr, dass es dabei herunterfällt (oder eben ich). Die AppleWatch ist am Handgelenk und hat ein eigenes Mikrofon (samt Lautsprecher – aber den benutze ich selten). Mit Say&Go heißt es jetzt einfach:

  • App aktivieren
  • Aufnahme starten
  • Idee aufsprechen
  • Fertig

Die App stoppt, wie gesagt, nach der voreingestellten Zeit automatisch. So geht nichts verloren, und mein Kopf bleibt frei für weitere Ideen oder das Genießen der Landschaft.

Sobald ich dann zuhause bin oder ein WLAN verfügbar ist, kommt ein zweites nützliches Feature von Say&Go zum Tragen. Wenn man die App mit dem eigenen Dropbox-Account verbindet, werden aufgezeichnete Sprachnachrichten automatisch vom iPhone in einen Dropbox-Ordner verschoben. Am iMac oder iPad höre ich mir dann die Aufzeichnung an und übertrage die Notiz, zum Beispiel in ein entsprechendes Projekt in Omnifocus oder vermerke eine Erinnerung in meinem Manuskript.

Wie macht ihr das? Welche Apps oder welches System nutzt ihr, um effizient Ideen zu aufzuzeichnen und auch wiederzufinden?

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5 Antworten zu “Schreibpraxis: Getting Things Done und Say&Go

  1. Coole Idee diese App. Die probiere ich auch gleich mal aus 😉 Danke Christopher

    Gefällt 1 Person

  2. Der Blog-Post spricht mir aus der Seele. Weil ich selber auch ständig Gedanken oder Ideen unterwegs festhalten will (allerdings unter Android), habe ich mir dafür neulich eine App namens „Drive by Notes“ geschrieben, die genau das macht: Ein Tastendruck, sprechen, fertig. Beim Joggen oder Autofahren finde ich das besonders nützlich, weil ich das Smartphone nicht erst in die Hand nehmen muss. Unterschied zu Say&Go ist, dass das Gesprochene per Spracherkennung in Text umgewandelt und als Notiz abgespeichert wird. Wen es interessiert, hier ist der Link: https://play.google.com/store/apps/details?id=de.tgabel.tgp.android.drivebynotes

    Gefällt 1 Person

  3. Pingback: Schreibpraxis: Integrierte Schreibumgebung Scrivener | Thomas Roth-Berghofer

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