The proof is in the pudding


img_0476Wohin die Reise gehen soll, ist sicherlich die spannendste Frage im Leben überhaupt. Die Frage ist insbesondere akut, wenn man einen Karrierewechsel vornimmt.

Eine der befriedigendsten Tätigkeiten meiner Wissenschaftslaufbahn war das Arbeiten an Papieren. Das Einreichen von Artikeln zu Konferenzen oder Fachzeitschriften, das Warten auf eine Antwort war immer spannend: Wird meine Publikation angenommen, oder werden umfangreiche Änderungen gewünscht? Wird der Artikel gar zurückgewiesen? Dazu kam dann noch das Präsentieren der eigenen Arbeit auf Konferenzen und Workshops. Die Diskussion der Ideen und Ergebnisse. Der Karrieredruck stand natürlich immer im Hintergrund. „Publish or perish“, ohne Publikationen kein Bestehen im akademischen Dschungel. Aber dieser Teil meiner Karriere hat ja letztendlich ganz gut funktioniert.

Während meiner Studienzeit habe ich bereits kurze Stories – keine Kurzgeschichten – verfasst. Das war ein guter Ausgleich vom Lernstress. Wie beim Informatikstudium wollte ich beim Schreiben jedoch wissen, wie man bessere Geschichten schreibt und Geschichten besser erzählt. Das war damals gar nicht so einfach zu lernen, denn der Gedanke herrschte vor (und hält sich hartnäckig bis heute), dass man entweder das Talent zum Schreiben hat oder eben nicht. Punkt. Schreiben erlernen wie ein Handwerk? Mach dich doch nicht lächerlich.

Es gab damals zu allem Möglichen ein Ratgeber, nur nicht zum Schreiben. In Deutschland, vor mehr als 20 Jahren wohlgemerkt. Im englischsprachigen Raum sieht man die Schriftstellerei schon lange entspannter. Es gibt viele Ratgeber zu allen möglichen Aspekten des Schreibens. Und es gibt Schulen und Kurse. Natürlich braucht man auch Talent. Keine Frage. Ein talentierter Tischler wird tolle Möbel entwerfen – aber basierend auf den erlernten Techniken. Eine Architektin wird kühne Brücken entwerfen – basierend auf den Methoden, die sie in einem langjährigen Studium und mit Erfahrungen aus der Praxis erwirbt. Und so weiter. Nur beim Schreiben wird das Handwerkliche (in Deutschland) nicht erwartet.

Was also tun, wenn man die gewünschten Information in deutschen Buchhandlungen nicht findet? Glücklicherweise war das World Wide Web gerade erfunden worden, und ich hatte an der Universität Zugriff darauf. Amerikanische Autoren teilten online ihr Wissen über das Plotten, Settings, Dialoge, Konflikte, usw. usf. Ich fand und abonnierte den fantastischen Newsletter inklings, herausgegeben von Debbi Ridpath Ohi. Leider existiert der Newsletter schon lange nicht mehr. Untergegangen mit der Dotcom-Blase. Das war eine Fundgrube an Informationen.

Wäre so ein Newsletter nicht etwas für deutsche Autoren? Ich schrieb verschiedene amerikanische Autoren an und bat darum, ihre Text übersetzen zu dürfen. Mit meiner Frau und mehreren anderen Mitstreitern gründete ich 1996 zunächst einen Club mit vierteljährlichem Newsletter, in dem wir zunächst hauptsächlich die übersetzten Artikel veröffentlichten. Nach und nach kam Material von deutschen Autoren hinzu. 1999 gingen wir komplett online. Seitdem gibt autorenforum.de einen Newsletter an mehr als 6000 Abonnenten heraus, zu allen Themen rund ums Schreiben. (Er ist kostenlos! Einfach auf der Website abonnieren.)

Meine Ausgangslage ist mit dem Zugriff auf Schreibwissen und Wissen über den Medienbetrieb in Deutschland (und weltweit) also nicht schlecht. Als Koautor im Team Alex Thomas habe ich an bisher vier Romanen mitgeschrieben und Erfahrungen gesammelt.

Jetzt geht’s daran, den eingangs erwähnten ‚Pudding‘ zu produzieren. Jetzt, da wir zu zweit aktiv sind und wir beide Vollzeit als Autoren arbeiten, kann ich ebenfalls Romanprojekte entwickeln und umsetzen. Und diese Woche war es dann soweit, Wochen nach unserem Umzug nach Deutschland, nach der Einrichtung unserer Wohnung, nach vielen Ämtergängen. Endlich konnte ich „Endlich!“ sagen.  Und was seit Monaten als Ideensammlung existierte, wurde diese Woche konkret. Das Exposé für den ersten Roman einer neuen Serie nahm Gestalt an und der Prolog dafür steht. Ideen für zwei Folgeromane sind notiert.

Es kann also festgehalten werden: Seit dem 1. März wird geschrieben. 

Version 2

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