Fit für die Medien – Medientraining für Wissenschaftler


Das Journalistische Seminar der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz bietet seit dem letzten Jahr, mit der finanziellen Unterstützung der Stiftung Rheinland-Pfalz für Innovation, ein Medientraining für Wissenschaftler an. Wie mein Kollege, der das erste Medientraining besuchte, kann ich ebenfalls nach meiner Rückkehr darüber nur sagen: “Liebe Kollegen, das müsst ihr unbedingt auch machen!”

In den letzten drei Tagen lernte ich viel über die Hintergründe und Abläufe von Pressearbeit, Funk und Fernsehen. Diese Informationen werden es mir in Zukunft leichter machen, mit den Medien umzugehen und aktiv auf die Medien zuzugehen. Ich weiß nun, was und wie viel ich von Wissenschaftsjournalisten erwarten darf und was ich selbst beitragen muss. Wie in vielen anderen Situationen auch erleichtert die Kenntnis der Spielregeln des jeweiligen Mediums die Kommunikation erheblich und verringert die Gefahr von Missverständnissen.

Frau Dr. Regina Oehler vom Hessischen Rundfunk moderierte die drei Tage und verlieh dem Medientraining den professionellen Rahmen. Das ausgegebene Arbeitsmaterial unterstützte das Training. Zusätzliche Artikel spornen überdies zur weiteren Beschäftigung mit den Themen nach dem Seminarende an.

Das Wertvollste am Medientraining war für mich die Kombination von theoretischen Darstellungen und praktischen Übungen. Wie so oft erkennt man erst beim Anwenden von Gehörtem, ob man das (angeblich) Verstandene auch umsetzen kann. In zwei Kleingruppen zu fünf bzw. sechs Personen trainierten wir gezielt notwendige Fertigkeiten. Eine Pressemitteilung selbst zu schreiben war die erste Herausforderung. Vor der Kamera in verschiedenen Situationen zu stehen und danach bewertet zu werden, war eine weitere Herausforderung. Ein Hörfunkinterview zu geben und sich danach selbst zuzuhören, war die dritte Herausforderung. Aus diesen Übungen habe ich viel Neues über mich und die Wahrnehmung meiner Person durch andere gelernt.

Tag 1, 12. April 2007: Printmedien

Der erste Tag widmete sich der Pressearbeit. Prof. Lothar Rolke von der FH Mainz dozierte über Grundlagen der Öffentlichkeitsarbeit. Hier fand ich mich nicht genug angesprochen, da Prof. Rolke mehr auf unternehmerische Belange als auf die Bedürfnisse von Wissenschaftlern einging. Dieser Eindruck blieb nicht nur bei mir hängen, trübte aber den weiteren Verlauf nicht sonderlich.

Prof. Volker Wolff vom Journalistischen Seminar und Frau Dr. Pia Heinemann vom Ressort Wissenschaft der Redaktionen Die WELT / Welt am Sonntag / Berliner Morgenpost bestritten den Hauptteil des ersten Tages. Nach einem Überblick über die Presselandschaft und ihre ökonomischen Zwänge (“Die Medien leben von Anzeigen und der Werbung.”, Prof. Wolff) machte uns Frau Dr. Heinemann mit ihrem Arbeitsalltag bekannt, der u. a. von den beteiligten Experten die extrem gute Erreichbarkeit und Verfügbarkeit zu bestimmten Tageszeiten erfordert. Beide räumten auch mit der weit verbreiteten Ansicht auf, dass Wissenschaftsjournalisten aktiv nach den interessantesten Themen auf der Suche wären. Diesen Luxus können sich die Journalisten leider nicht leisten. Im Gegenteil, die Wissenschaftsredaktionen sind darauf angewiesen, dass wir Wissenschaftler unsere Themen – verständlich aufbereitet – anbieten.

Am Nachmittag übten wir, Pressemitteilungen zu schreiben. In zwei Kleingruppen formulierte jeder zu seinen eigenen Themen. Mir fiel dies unerwartet schwer. Ich hatte damit zu kämpfen, dass ich die Formulierungen bisheriger Pressemitteilungen, wie sie am DFKI formuliert wurden, im Kopf hatte. Nach den Kriterien, wie wir sie an diesem Tag kennen gelernt hatten, waren diese Pressemitteilungen unbrauchbar. Sie waren für den Laien schlicht und ergreifend unverständlich.

Ein Lob auch hier an die Organisatoren, dass sie Notebooks (mit Internetzugang) bereitstellten, denn nicht jeder Teilnehmer hatte (s)einen Laptop dabei.

Tag 2, 13. April 2007: Bildermedium Fernsehen

Durch den zweiten Tag führten uns Prof. Karl Nikolaus Renner, Professor für Fernsehjournalismus am Journalistischen Seminar Mainz, und Nadia Salem, TV-Redakteurin beim Wissenschaftsmagazin nano (ZDF/3Sat). Nach einer Präsentation über das Medium Fernsehen, die Unterschiede von Sprache und Bild sowie deren Ausdrucksmöglichkeiten ging es direkt ans Üben. Wir sammelten ersten Erfahrungen beim Aufsagen zu einem Thema. Jede Aufnahme wurde von den anderen Gruppenmitgliedern bezüglich Körperhaltung, Sprechtempo, Blickkontakt und Gestik/Mimik beurteilt. Es war schön zu sehen, wie man selbst die bei den anderen beobachteten / diskutierten Schwächen auszugleichen suchte und wie schnell das gelang. Diese positive Lernkurve setzte sich den ganzen Tag lang fort.

Am Nachmittag übten wir nach einem weiteren Theorieblock das Sprechen vor der Kamera in Interviews. Auch hier wurden die oben erwähnten Aspekte in einer angenehm offenen Art und Weise analysiert und diskutiert. Es hat wirklich Spaß gemacht, mehr über sich und die anderen Teilnehmer zu erfahren.

Nicht nur die drei Tage waren durchorganisiert und bis zum Rand mit Lehrreichem angefüllt, auch die beiden Abende waren es. Am ersten Abend nahm außer den beiden Tagesdozenten auch Dr. Reinhard Breuer, Chefredakteur bei Spektrum der Wissenschaft, am Abendessen teil. Dies gab uns die Gelegenheit im persönlichen Gespräch mehr über diese Zeitschrift zu erfahren. Am zweiten Abend konnten wir weitere Details über den Fernsehjournalismus im Allgemeinen und über die Sendung nano im Speziellen erfahren.

Tag 3, 14. April 2007: Online-Auftritt und Hörfunk

Für mich begann der dritte Tag erwartungsgemäß weniger interessant, was das Lernen anging. Bettina Blaß, freie Journalistin aus Köln, beschrieb die Grundlagen der guten Websitegestaltung. Auch hier ging wie bei Prof. Rolke der Vortrag ein wenig an der Zielgruppe vorbei. Für mich war es natürlich sehr schön, dass mein Webauftritt kritisiert wurde und ich sehr positives Feedback erhalten habe. Ebenfalls positiv fand ich, dass Frau Blaß auf das Thema Web 2.0 einging; ein Thema, das vielen Seminarteilnehmern bis dato unbekannt war.

Der spannendste Teil dieses Tags begann nach dem Mittagessen. Prof. Axel Buchholz, Honorarprofessor am Journalistischen Seminar und ehemaliger Chefredakteur beim Saarländischen Rundfunk, führte äußerst unterhaltsam in die Arbeitsweise von Hörfunkjournalisten ein. Frau Dr. Oehler berichtete danach mit einer Reihe von Hörbeispielen über den Wissenschaftsjournalismus und dessen Besonderheiten im Hörfunk. Den Abschluss bildeten sieben- bis zwölfminütige Interviewübungen, die ebenfalls von den Gruppenmitgliedern analysiert wurden.

Fazit

Das Medientraining war für mich ein voller Erfolg. Nach diesem Training betrachte ich Fernsehsendungen, Hörfunkinterviews und Zeitungsberichte – wie im Seminar prophezeit – mit anderen Augen. Auf die eine oder andere Weise werde ich das Gelernte zu nutzen wissen.

[composed and posted with ecto]

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3 Antworten zu “Fit für die Medien – Medientraining für Wissenschaftler

  1. Pingback: Küchenzuruf » Von Seminar zu Seminar

  2. Die Inhalte “Gestalten im Internet” und “Selbstpräsentation im Internet” wurden ausgezeichnet vermittelt. Keine Frage! Meine Erwartungen an diesen Block wurden erfüllt. Ein guter Teil der Seminarteilnehmer blieb jedoch unbefriedigt. Da muss man vermutlich genauer nachschauen, woran das liegt.

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  3. Pingback: Learning to present professionally and effectively « Up against IT!?

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